5 einfache Schritte zu deiner eigenen Yogapraxis

Person übt die Kindhaltung (Balasana) auf einer Yogamatte vor einem Bücherregal – ruhiger Moment persönlicher Yogapraxis.

Als ich mit Yoga angefangen habe, habe ich schnell gemerkt, wie sehr diese Praxis mich berührt. Nach jeder Stunde fühlte ich mich leichter, klarer, mehr bei mir selbst.
Bald wurde mir bewusst, dass zwei Mal die Woche im Studio nicht mehr reichen. Ich wollte eine eigene Praxis etwas, das wirklich mir gehört.

Nur wusste ich überhaupt nicht, wo ich anfangen sollte. Welcher Stil?
Wie lange? Meditation am Anfang? Am Ende? Oder gar nicht? Besser morgens oder abends? Wie lange sollte so eine optimale Einheit dauern? 90min, mindestens 60min und wenn ich nur 20min Zeit habe, lohnt es sich dann überhaupt auf die Matte zu gehen?

Zwischen Idealbild und Realität, mein Weg zu einer eigenen Routine

Silhouette einer Frau in der Baumhaltung (Vrikshasana) bei Sonnenaufgang am Meer

Um Antworten zu finden, fragte ich natürlich als Erstes meine Yogalehrerin.
Ihre Antwort: „alles, was ich mache, ist mein Yoga“ war schön, inspirierend… aber half mir keinen Schritt weiter.

Also tat ich, was jeder Mensch, in solch einer Situation, tut: Ich suchte online.

Dort sah ich Morgenroutinen, die aussahen wie kleine Wellness-Retreats:
Aufstehen um 5:00 Uhr, warmes Zitronenwasser trinken, meditieren, bewegen, journalen, lächeln und das alles, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat. Es klang wunderschön. Und gleichzeitig komplett unrealistisch für mich.

Ich hatte lange das Gefühl, dass ich Yoga nur „richtig“ mache, wenn mein Alltag genauso aussieht. Aber die Wahrheit ist: Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich aufgehört habe, mich schlecht zu fühlen, wenn meine Praxis nicht in dieses Ideal passte, das ich mir eingeredet hatte.

Denn ich weiß inzwischen: Yoga ist nicht das Ergebnis einer perfekten Routine.
Yoga ist die Art, wie du ehrlich mit dir selbst bist. Manchmal stehe ich früh auf und meditiere noch vor dem ersten Schritt aus dem Bett. Manchmal schlafe ich aus, trinke meinen Kaffee in Ruhe und rolle erst abends die Matte aus. Es gibt Tage, an denen ich 60 Minuten übe und Tage, an denen 10 Minuten bewusstes Atmen mehr Yoga sind als jede Asana. Für mich bedeutet eine ideale Yogapraxis heute etwas ganz Einfaches: Sie gibt mir das, was ich an genau diesem Tag brauche.

Yoga soll uns helfen, Ruhe, Gelassenheit und Verbindung zu uns selbst zu kultivieren.
Wenn die Praxis jedoch zu einem stressigen Termin wird, den wir abhaken, bevor wir das Nächste erledigen, verlieren wir genau die Wirkung, die wir eigentlich suchen.

Aus all meinen Erfahrungen möchte ich dir fünf Dinge mitgeben, die mir geholfen haben, meine eigene Praxis zu finden.

1. Probiere verschiedene Yogastile und Lehrer aus

Die Yogawelt ist riesig und farbenreich, von Acro bis Yin, von kraftvoll bis meditativ.
Es gibt Stile, die sich wie ein Workout anfühlen, und solche, die eher wie ein Gebet wirken.
Manchmal braucht man Struktur, manchmal Freiheit, manchmal einen Lehrer, der streng ist, und manchmal eine Lehrerin, die einfach nur den Raum hält. Wenn du herausfinden möchtest, was deine Praxis sein könnte, musst du nicht die perfekte Wahl treffen, du darfst dich durch alles durchprobieren, was dich anspricht.

Besuche unterschiedliche Lehrer. Manchmal triffst du jemanden, der dich technisch weiterbringt und manchmal jemanden, der dein Herz berührt.

Und zuhause? Beginne im Sitzen oder im Kind. Spüre, welcher Bereich deines Körpers heute Aufmerksamkeit braucht. Beginne dich einfach intuitiv zu bewegen, Nacken- & Rückenkreise, oder Katze/Kuh sind immer gute Startpunkte, von da lass dich einfach treiben Vielleicht fühlst du dich am Anfang komisch, überlegst lange was die nächste Haltung sein soll und alles fühlt sich mehr nach Stakkato statt nach Flow an, aber gib dir Zeit, sei mitfühlend und genieße einfach das Bewusstsein, du kannst kaum was falsch machen.

2. Schau, wann und wie lange es für dich stimmig ist

Es gibt Menschen, die brauchen eine feste Uhrzeit, damit ihre Praxis tief wird.
Und andere, so wie ich, die brauchen Raum und Flexibilität. Routinen können schön und stabilisierend sein. Aber sie funktionieren nicht für jeden gleich.

Teste für dich: Wie fühlt es sich an, mit Yoga in den Tag zu starten? Wie fühlt es sich an, abends auf der Matte zu landen? Welche Länge schenkt dir wirklich etwas 10 Minuten, 30 Minuten, eine Stunde? Und wieviel Zeit hast du überhaupt, ohne dir Druck zu machen.

Es gibt dieses alte Zen-Sprichwort: „Du solltest jeden Tag mindestens 20 Minuten meditieren, außer du bist zu beschäftigt, dann eine Stunde.“

Es erinnert uns daran, dass Yoga nicht von der Zeit abhängt, sondern von der Haltung, mit der wir praktizieren. Und wenn du einen Tag auslässt? Dann machst du einfach am nächsten Tag weiter. Ich verspreche dir die Welt wird nicht unter gehen.

3. Gönn dir das, was du brauchst, nicht nur das, was du willst

Es gibt Asanas, die wir lieben und solche, die wir am liebsten überspringen würden.
Doch die Haltungen, die wir meiden, sind oft genau jene, die uns weiterbringen. Vielleicht fehlt es an Kraft. Vielleicht an Flexibilität. Vielleicht zeigt dir dein Widerstand aber auch einen emotionalen Punkt, den du lange nicht anschauen wolltest. Und manchmal bedeutet Wiederstand auch, diese Haltung ist tatsächlich nicht die Richtige für dich.

Wenn du dich den Herausforderungen gelegentlich stellst, statt immer nur im Wohlfühlbereich zu bleiben, trainierst du nicht nur deinen Körper, du trainierst Gleichmut, Ausdauer, Präsenz. Genau dort entsteht Wachstum.

4. Genieße und hab Spaß

Es klingt so simpel und doch vergessen wir es alle irgendwann. Yoga ist keine Pflicht.
Es ist keine Aufgabe, kein Leistungsnachweis, kein Ticket zur Erleuchtung. Es ist Zeit für dich. Ein Raum, in dem du dich selbst spüren, deinen Körper und deine Sinnlichkeit genießen darfst.

Natürlich tauchen manchmal Emotionen auf, wir alle haben schon auf der Matte geweint oder uns geärgert oder gelangweilt. Aber das sollte dir nicht die Freude nehmen, sondern eher eine Gelegenheit sein, dich mit diesen Emotionen auseinander zu setzen, wo nötig von ihnen zu befreien und dich selbst besser kennenzulernen.

5. Es ist deine Praxis. Du bist die Königin. Also nimm es locker.

Ältere Frau übt eine sanfte, unterstützte Vorbeuge im Sitzen, mit Kissen und Pouf zur Entlastung – ruhige, achtsame Yogapraxis zuhause.

Yoga ist Übung, nicht Perfektion.

Wenn du voller Energie bist, power dich aus. Wenn dein Tag schwer war, geh ins Yin. Wenn du Ruhe brauchst, atme. Wenn du dich nach Tiefe sehnst, meditiere.

Du bestimmst.

Fällst du in einer Haltung um? Lach. Lässt du einen Tag ausfallen? Mach einfach weiter.

Deine Praxis sollte dir Energie schenken, nicht nehmen. Es gibt nur eine wirkliche Voraussetzung für gutes Yoga: Präsenz. Achtsamkeit. Und die Bereitschaft, anzunehmen, was aufkommt (Oder wie das Yoga Sutra es nennt Abhyasa & Vairagya).

Du bist die Königin deiner Matte und du darfst sie regieren, wie es dir gefällt. Enjoy!

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